Energiegewinnung aus Wildpflanzen

Antrag für den Umweltausschuss am 10.11.2021

Energiegewinnung aus zertifizierten Wildpflanzenmischungen

Beschlussvorschlag:

  1. Die Verwaltung wird gebeten, bei den örtlichen Landwirten abzufragen, auf wie viel Fläche bereits EU-zertifizierte Saatgutmischungen zur Energiegewinnung aus Wildpflanzen angebaut werden.
  2. Die Verwaltung wird gebeten zu ermitteln, ob es für den Anbau einer zertifizierten Saatgutmischung für Biogasanlagen eine EU-Förderung gibt.

Begründung:

Der Anbau von Mais als Ganzpflanzensilage (GPS) zur Verarbeitung in Biogas-Anlagen ist weit verbreitet. Die Mais-Monokultur ist jedoch nur von äußerst geringer ökologischer Wertigkeit. Für die Verwendung in Biogas-Anlagen eignen sich auch besondere zertifizierte Saatgutmischungen aus ein- und mehrjährigen Blühpflanzen (BG70, BG80 und BG90). Diese haben zwar einen geringeren Ertrag, sind jedoch durch die mehrjährige Kultur günstiger in der Bewirtschaftung. So muss nur zu Beginn eines mindestens fünfjährigen Zeitraums ausgesät werden. In der Folgezeit wird lediglich die Biomasse geerntet und die Fläche bei Bedarf gedüngt. Weitere Arbeitsschritte entfallen weitgehend:

„Außer Düngen und Ernten sind in den Folgejahren keine weiteren Arbeiten notwendig. Trockenmasseerträge von bis zu 110 dt TM/ha sind möglich. Die Methanausbeute erreicht bis zu ca. 300 NI/kg oTM. Die BG 90 kann auch noch recht spät, z. B. nach der Grünroggenernte, gesät werden.“[1] Nach Laboruntersuchungen liegt der Methanertrag bei etwa 2/3 bis 3/4 des Ertrages von Silomais.[2] Bei einer Beimischung der Blühmischung von etwa 20% zum Mais sinkt die Methanausbeute im Vergleich zu reinem Mais jedoch nur geringfügig.[3]

Die Saatgutmischung BG 90 ist auf eine hohen Ertrag optimiert und setzt sich wie nebenstehend aufgeführt zusammen:[4]
Weitere Mischungen (BG70 und BG80) erfüllen die Kriterien.

Ein zusätzlicher Nutzen für die Landwirtschaft besteht in der Verbesserung der Bodenqualität. Boden ist geprägt durch das Zusammenspiel seiner mineralischen Bestandteile, der organischen Bestandteile, Bodenluft, Bodenwasser und Bodenleben. Insbesondere das Bodenleben in Form von Maulwürfen, Regenwürmern, Asseln, Tausendfüßlern, Hundertfüßlern, Spinnen, Käfern, Larven, Nematoden, Bakterien, Pilzen und weiteren Lebewesen leidet unter einer intensiven Bewirtschaftung und Bodenbearbeitung. Wird der Boden aber über einen Zeitraum von mehreren Jahren nicht mehr umgebrochen, kann sich das Bodenleben wieder erholen. Ein belebter Boden ist durchzogen von Hohlräumen und Gängen. Über diese wird der Boden mit Luft und Wasser versorgt, was die Rückhaltewirkung des Bodens bei Starkniederschlägen erheblich verbessert, aber auch die Dürreanfälligkeit deutlich reduziert. Außerdem trägt diese Art der Bewirtschaftung zum Humusaufbau bei.

Herzliche Grüße

Tim Wallraff, Fraktionsvorsitzender
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Stadtrat Dormagen

René Jungbluth, umweltpolitischer Sprecher
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Stadtrat Dormagen


[1] https://www.freudenberger.net/Produkt-Details.asp?lang=de&mode=vproduct&prodid=449

[2] https://www1.wdr.de/mediathek/audio/wdr5/wdr5-westblick-aktuell/audio-wildpflanzen-statt-mais-zur-biogaserzeugung-100.html

[3] https://www.agrarheute.com/pflanze/mais/abwechslung-energiepflanzen-fuer-biogas-fuenf-alternativen-mais-562118

[4] https://www.energie-aus-wildpflanzen.de/wissen/saatgutmischungen/