Digitalisierung in den Schulen vorantreiben

Um die Digitalisierung der Schulen in Zeiten von Homeschooling voranzutreiben, fordern wir eine weitere digitale Ausstattung der Lehrkräfte.

Sehr geehrter Herr Bürgermeister, 

wir bitten Sie, folgenden Antrag auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung des Rates der Stadt Dormagen bzw. eines alternativen beschließenden Gremiums zu setzen. Wir bitten Sie außerdem zu prüfen, inwieweit es sich bei dem vorliegenden um einen Antrag mit Dringlichkeit handelt.

Beschlussvorschlag

Die Verwaltung wird beauftragt, baldmöglichst einen Arbeitskreis (ggf. per Videokonferenz) einzurichten, an dem

• die Schulleitungen aller öffentlichen und privaten Dormagener Schulen oder ein von der jeweiligen Schulleitung bestimmtes, mit der IT der Schule vertrautes Mitglied des Kollegiums, 

• ggf. geeignete BeraterInnen anderer Schulen und/ oder des Medienzentrums, 

• die schulpolitischen SprecherInnen der Fraktionen sowie von Verwaltungsseite je mindestens 

• ein Mitglied der IT-Abteilung und 

• der Schulabteilung, außerdem 

• ein Mitglied des Verwaltungsvorstandes

 teilnehmen. 

Ziel des Arbeitskreises soll sein, kurzfristig die durch die Corona-Krise entstehenden Bedarfe der Schulen im Bereich der Digitalisierung zu ermitteln und diesen Bedarfen schnell und unbürokratisch mit geeigneten Maßnahmen zu begegnen, die die großen Maßnahmen Gute Schule 2020 und Digitalpakt ergänzen. Für erste Maßnahmen werden der Verwaltung 200.000 € zur Verfügung gestellt. 

Begründung 

Die Corona-Pandemie hat Auswirkungen auf das Schulleben, die noch vor wenigen Wochen unvorstellbar waren: Schulen werden geschlossen, Arbeitsaufträge digital verteilt und auch wieder eingesammelt, LehrerInnen konferieren mittels Videokonferenztools wie Zoom, Skype, Teams oder anderen miteinander und mit ihren SchülerInnen, es erfolgt Unterricht in Videokonferenzen, Eltern begleiten ihre Kinder beim häuslichen Lernen und vieles mehr. Auf der anderen Seite werden Berichte laut, nach denen Arbeitsaufträge die SchülerInnen nicht erreichen und kein Kontakt zwischen SchülerInnen und LehrerInnen zu Stande kommt. Diese Aussagen weisen die Gefahr auf, dass sowieso schon benachteiligte SchülerInnen durch die Schulschließungen weiter abgehängt werden. 

Selbst wenn nach den Ferien der Unterricht wieder wie gewohnt ablaufen kann, ist durchaus möglich, dass die Schulen in den nächsten Monaten und vielleicht sogar Jahren auch noch einmal geschlossen werden könnten, falls die Infektionsraten wieder deutlich ansteigen und die Kapazitäten unseres Gesundheitssystems noch einmal an ihre Grenzen zu stoßen drohen. Es ist also nur folgerichtig, dass wir als Politik und Verwaltung jetzt Hand in Hand mit den Schulen agieren müssen, um Wege zu finden und zu etablieren, die gewährleisten, dass auch im Falle noch länger andauernden Homeschoolings ein gewohnt hochwertiger Unterricht selbst bei geschlossenen Schulen stattfinden kann. 

Aus unserer Sicht bieten sich hier wie in den meisten anderen Bereichen digitale Lösungen an. Wir müssen jetzt – und das schnell und ohne bürokratische Verzögerungen – unsere LehrerInnen mit modernen und leistungsfähigen Dienstgeräten unterstützen und dabei die individuellen Bedarfe der LehrerInnen erfragen und berücksichtigen: 

Ist ein Tablet mit zugehörigem Stift und Notizenapp (z.B. OneNote, Goodnotes, Notability) das sinnvollste Arbeitsgerät, da man es für Videokonferenzen genauso gut nutzen kann wie als digitale Tafel? Wird ein aktuelles und mit der DSGVO konform konfiguriertes und ferngewartetes Notebook benötigt, um die vertrauliche und sensible Kommunikation mit den SchülerInnen sicherzustellen? Gibt es andere Bedarfe, die sich aus der praktischen Arbeit der KollegInnen und aus deren Erfahrungen ergeben? Welche Plattform soll zum Datenaustausch mit den SchülerInnen genutzt werden, welche für etwaige Videokonferenzen, welche als Dateiablage? Bietet sich hier eine zu bezahlende Variante wie Office365 an oder werden andere Möglichkeiten bevorzugt? Wie können wir unsere LehrerInnen dabei unterstützen, den Umgang mit den neuen Tools zu erlernen und in ihren unterrichtlichen Alltag zu integrieren? Gibt es „best-practice-Beispiele“ für gelungenen Unterricht trotz Schulschließungen, vielleicht sogar im Dormagener Stadtgebiet? Wie wurde an den entsprechenden Schulen agiert? Welche Probleme wurden erkannt? 

Nicht vergessen dürfen wir dabei unsere SchülerInnen. Wie kann sichergestellt werden, dass diese Arbeitsaufträge empfangen und zurücksenden können? Wie kann eine Erreichbarkeit unabhängig vom elterlichen Einkommen sichergestellt werden? Wie können wir erfassen, wie viele unserer SchülerInnen über kein digitales Endgerät verfügen? Wie können wir sicherstellen, dass die betroffenen SchülerInnen ein solches als Leihgerät erhalten? Wer verwaltet die Geräte gegebenenfalls, wie sind diese gegen Verlust und Beschädigung gesichert? All diese und viele weitere Fragen müssen schnellstmöglich geklärt werden! Ist ein Leasingmodell digitaler Endgeräte durch die Eltern denkbar, gegebenenfalls auch mit einer z.B. 50%igen Beteiligung mit kommunalen Mitteln? 

Die jetzige Krise zeigt deutlich, dass ein großer Bedarf nach einer weiteren Digitalisierung des Unterrichts besteht. Gerade jetzt müssen wir in die digitale Infrastruktur unserer Schulen, unserer LehrerInnen und unserer SchülerInnen investieren. Die Ungewissheit bezüglich des weiteren Vorgehens nach dem 19.04. kann erfordern, dass die digitalen Möglichkeiten noch einmal verstärkt genutzt werden. Um dies zu tun, benötigen alle am Schulleben beteiligten Arbeitsgeräte, die ihnen die digitale Arbeit erleichtern und zum Teil auch erst ermöglichen. Als Kommune sollten wir unseren SchülerInnen und LehrerInnen zur Seite stehen – mit gemeinsamer Beratung, mit Unterstützung durch unsere IT-Abteilung und mit finanziellen Mitteln. 

Tim Wallraff 

Fraktionsvorsitzender BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

externer Link zum Artikel aus der NGZ vom 15.04.2020 (Abo erforderlich)

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